München

Ein Seminar in München kann Aspekte aus den Themenbereichen der politischen, historischen und interkulturellen Bildung der Bundeswehr verbinden. Um Abwechslung zu schaffen, kann bei einem mehrtägigen Seminar pro Tag ein anderes Thema diskutiert werden. Im Folgenden zeigen wir Ihnen ausgewählte Anknüpfungspunkte zu den übergeordneten Themenkreisen für die politische Bildung und zu den jährlich wechselnden Pflicht- und Wahlthemen der Weisung für die politische, historische, interkulturelle und ethische Bildung (fett markiert). Die Kombination aus Themen stimmen wir individuell mit Ihnen ab. Kontaktieren Sie uns gerne.

Politische Bildung

Bayern spielte als Gastgeber des Verfassungskonvents eine besondere Rolle für die Ausgestaltung des Grundgesetzes und die darin definierte freiheitlich demokratische Grundordnung. Das Grundgesetz spiegelt liberale, konservative und sozialdemokratische Gesellschaftsvorstellungen wider. Zusammengeführt haben diese beim Verfassungskonvent 1948 verschiedene Staatsrechtler. Ihren Streit um die deutsche Verfassung als Antwort auf die deutsche Geschichte kann man unweit Münchens am historischen Ort nachvollziehen. So vertiefen die Seminarteilnehmenden Kenntnisse über unsere Werte- und Staatsordnung.

Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit gehörten für die Vordenker des Grundgesetzes unbedingt dazu. Uneinig war man sich hingegen beim Thema Föderalismus. Wie unabhängig oder föderal eingebunden sollten die Bundesländer sein? Ein Besuch im bayerischen Landtag verdeutlicht die heutige Funktion der Landesparlamente in Deutschland.

Politische Prozesse werden jedoch nicht allein von Parlamentariern beeinflusst. Alle Bürger haben – über die aktive und passive Teilnahme an Wahlen hinaus – mit Volks- oder Bürgerbegehren unmittelbar die Möglichkeit zur Teilhabe amGesetzgebungsprozess. Wie diese Form der Beteiligung funktioniert, können die Teilnehmenden in München erfahren.

Im Rahmen eines Seminars in München bietet sich außerdem eine vertiefende Betrachtung der deutschen Interessen in der Sicherheitspolitik an. Aktuelle und historische Dimensionen können dabei eine Rolle spielen. Seit 1963 tagt hier die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). 1972 führten das Olympia-Attentat und die Feststellung, dass die bayerische Polizei mit dieser Form von Kriminalität überfordert war, zu mehr Aufmerksamkeit für das Thema Terrorismus. Die Konsequenz: Die Gründung der Anti-Terroreinheit GSG 9, die nur wenige Jahre später in Mogadischu ihre erste große Heldentat vollbrachte. Heute bezeichnet das Bundesland sich selbst als das sicherste in Deutschland. In München haben LKA und der Landesverfassungsschutz ihren Sitz ebenso ist die Bundespolizei mit einer Bundespolizeidirektion vor Ort vertreten. Verschiedene sicherheitspolitische Felder lassen sich hier daher gut beleuchten:

  • Cyberkriminalität
  • Organisierte Kriminalität
  • Vernetzte Sicherheitspolitik im Grenzland der EU
  • Extremismus

Interkulturelle Bildung – Umgang mit Diskriminierung in Bundeswehr und Gesellschaft

Die meisten Menschen in der Bundeswehr gehören zugleich der Mehrheitsgesellschaft an. So weit, so banal. Menschen, die selbst keine Diskriminierungserfahrungen machen, fällt es häufig schwer nachzuvollziehen, wie Diskriminierung in Erscheinung tritt und wie sie auf betroffene Menschen wirkt. Dabei ist die Sensibilisierung für Diskriminierungserlebnisse und die Frage, wie man sich verhalten kann, wenn man sie beobachtet auch eine Frage der Kameradschaft. Denn auch in der Bundeswehr dienen Juden und Jüdinnen, Homosexuelle, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und weitere von Ausgrenzung betroffene Personengruppen. In München hat sich die zweitgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands entwickelt. Die Teilnehmenden können daher jüdisches Alltagsleben kennenlernen und sich mit Antisemitismus in Deutschland befassen. In einem Workshop zum Thema Kolonialismus können die Teilnehmenden nachvollziehen, wie rassistische Klischees entstehen und wie langlebig sie sein können. Ein Stadtrundgang zeigt Spuren des Kolonialismus und wie diese auf schwarze Menschen wirken. Ein interaktiver Workshop ermöglicht die Beschäftigung mit verschiedenen kulturellen Prägungen und ermöglicht eine praxisnahe Auseinandersetzung mit der Frage, wie man im Alltag mit Unterschieden umgehen kann.

Historische Bildung

Mit der Reichsgründung von 1871 beginnt die Geschichte eines (scheinbar) geeinten deutschen Nationalstaates. Das Jahr ist auch der Start für einen zähen Anlauf zu einer parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Und von 1871 aus lässt sich auch der Niedergang der deutschen Monarchie und der Aufstieg von neuen sozialen und politischen Bewegungen nachverfolgen. Dies bildet eine Ausstellung vor den Toren Münchens ab.

Auch die Geschichte des Ersten Weltkriegs, die neuen Waffentechnologien und die fundamentalen Veränderungen im Gewalterleben für Soldaten, können die Teilnehmenden kennenlernen. Ebenso die zunehmende Relevanz von Medien und von staatlicher Propaganda im Krieg.

Die Bezeichnung Stadt der Bewegung verweist darauf: München ist eng mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus verknüpft. Hier fand 1923 der Hitler-Putsch statt, der erstaunlich milde Konsequenzen für die Beteiligten hatte. In München liegen aber auch berühmte Ort des deutschenWiderstandes gegen die NS-Herrschaft. Und unweit der Stadt errichteten die Nationalsozialisten das Konzentrationslager Dachau. Es diente zugleich als Propagandaobjekt und als Schule der Gewalt. Die Region bietet sich also für eine Diskussion von Fragen an, die sich Menschen häufig im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stellen:

  • Warum waren die NSDAP und ihre Ideen bei der Bevölkerung so populär?
  • Wieso stieß die sogenannte Machtergreifung bei den Eliten auf wenig Widerstand?
  • Was wussten „die Deutschen“ von Verfolgung und Konzentrationslagern?